Aktuelle Informationen  

Hinweise:

1. Die GHD hat ihr Angebot an Online-Veranstaltungen ausgebaut und wird dieses laufend erweitern. Das Online-Angebot finden Sie direkt unter diesem Link.

2. Alle angebotenen Präsenzveranstaltungen finden selbstverständlich unter Einhaltung der derzeitig gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen statt. Da momentan nicht absehbar ist, wie sich die Corona-Situation entwickelt, ist es daher möglich, dass wir die Rahmenbedingungen der Präsenzveranstaltung an die jeweils aktuellen Corona-Verordnungen anpassen müssen. Download Hygienekonzept

3. Unter diesem Link finden Sie einen Überblick, welche Workshops und Seminare der GHD wegen der aktuellen Corona-Krise ausfallen bzw. verschoben werden müssen.

4. Wir haben eine gesonderte Seite mit Informationen und Links eingerichtet, wie Sie während der Corona-Krise Ihre Präsenz-Lehre auf online-Lehre umstellen können. Diese Informationen erhalten Sie unter diesem Link.

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Störungen(!)

… und nun, wie weiter!?
Strategien für kritische Augenblicke

Cartoon: Erik Liebermann

1. Allgemeines

Unerwartete kritische Situationen und Augenblicke gehören zur Normalität im Rahmen der Hochschullehre.

Generell beinhaltet der Begriff “Störung” bereits eine Deutung. Ein Teilnehmerverhalten, das von dem/der Lehrenden als störend registriert wird, kann für den Studierenden durchaus produktiv sein oder wichtige Informationen über den Verlauf der Lernprozesse in der Gruppe liefern. Im Allgemeinen sollten sich Lehrende bei Ihrer Lehrausübung beim Eintreten von kritischen Momenten um eine humorvolle Gelassenheit bemühen. Für eine befriedigende Bildungsarbeit ist weder eine Haltung der Gleichgültigkeit noch des Perfektionismus angemessen, brauchbar und “viabel” [Arnold, Rolf 1999]. Überraschende Situationen können nicht durch übertriebene Steuerung und Verlaufsplanung vermieden werden. Meist empfiehlt sich eine systemische Betrachtung und das heißt: die Nutzung der Selbstorganisation der Gruppe. Viele kritische Situationen lassen sich nicht für, sondern gemeinsam mit der Gruppe klären.

Es kann äußerst sinnvoll sein, als Lehrperson zu Beginn einer Veranstaltungsreihe gemeinsam mit Ihren Studierenden Vereinbarungen zu treffen, beispielsweise über wünschenswerte Formen und Regeln des kommunikativen Umgangs, der Verständigung über Ziele und Inhalte sowie über potentielle Lernschwierigkeiten als auch über den Umgang mit Kritik und auftretenden Konflikten.

Jedenfalls sollten sich alle Lehrenden vor Augen halten, dass erstens jede Lehre punktuell verbesserungsfähig ist und dass zweitens fast nie alle Teilnehmenden mit einem speziellen Lehrverhalten völlig zufrieden sind. Manche der sogenannten “Störungen” haben ihre Ursachen, weder im Lehrverhalten noch im Vermittlungsprozess, sondern sind eher in gewissen Rahmenbedingungen zu suchen (z. B. Veranstaltungszeitpunkt, organisatorische Schwachstellen, bevorstehende oder geschriebene Klausuren in anderen Fächern, genereller Veranstaltungsboykott der Studierenden aus hochschulpolitischen Gründen etc.).

2. Konfliktsituationen

Konflikte und schwierige Situationen erfolgreich meistern

Im Zusammenhang mit dem heutigen Lehr-Lern-Prozess an Hochschulen ist es bedeutsam, dass Sie – soweit möglich – die persönlichen Bedürfnisse der Studierenden berücksichtigen und etwaige Störungen nicht unterdrücken, sondern thematisieren, damit die Ursachen angesprochen und Probleme möglichst gemeinsam gelöst werden können. Wenn auch für die Bearbeitung einer Störung gelegentlich mehr Zeit (als vorher abzusehen war) aufgewendet werden muss, so ist dies in der Regel keine “verlorene Zeit”, weil die Gruppe sich erfahrungsgemäß anschließend um so konzentrierter ihren Aufgaben widmen kann.

Folglich ist diese Aussage – bezogen auf die gewährleistete Arbeitsfähigkeit einer Lerngruppe im Hochschulkontext – eine hilfreiche Richtschnur: Störungen und ihre klärende Bearbeitung haben Vorrang.

3. Gruppenprozesse

Gruppendynamische Prozesse steuern – Modell: Themenzentrierte Interaktion (TZI)

Themenzentrierte Interaktion stellt ein Instrumentarium dar, um gruppendynamische Prozesse möglicherweise besser steuern zu können. Sie ist eine besonders gute Möglichkeit, ein positives Gruppenklima zu erzeugen, da sie unter anderem von einem ganzheitlichen Menschenbild ausgeht. Anlehnend an das Modell der Themenzentrierten Interaktion (TZI) von Ruth C. Cohn haben Bönsch & Poplutz für den Trainingsbereich eine sog. “Pyramide der Einflußgrößen” bei schwierigen Situationen entwickelt. A. Hatzius veränderte dieses Modell für die Darstellung schwieriger Situationen in Lehrveranstaltungen.

Die sechs Einflussgrößen im TZI-Modell:

  1. Schwierigkeiten der Studierenden mit dem Thema (z. B. Anschlussfähigkeit des gewählten Themas)
  2. Schwierigkeiten mit dem Globe/Umfeld (z. B. Baulärm, Studienordnung, schlechte Luft – thematisieren(!) )
  3. Schwierigkeiten “in der” Lehrperson selbst (z. B. Tagesform, Krankheit)
  4. Schwierigkeiten zwischen einzelnen Studierenden und dem/der Dozenten/in
  5. Schwierigkeiten zwischen der Studierenden-Gruppe und dem/der Dozenten/in
  6. Schwierigkeiten innerhalb der Studierendengruppe

Sie als Lehrperson und/oder moderierende Person versuchen die Balance zwischen dem Lernstoff, den Interessen der Gruppenmitglieder und dem gesamten Umfeld herzustellen. Dabei sollten Sie einige wichtige TZI-Regeln für Lerngruppen in Ihren Veranstaltungen berücksichtigen:

  • Jeder ist in erster Linie für sich selbst verantwortlich.
  • Störungen persönlicher/zwischenmenschlicher Art haben Vorrang vor der Sache.
  • Jeder ist mit seinen Gefühlen und Gedanken autonom.
  • Es kann immer nur einer sprechen.
  • Kontakt kommt vor Kooperation.
  • Es ist wichtig, “ich” anstelle von “man” oder “wir” zu sagen.
  • Es ist wichtig, andere direkt anzusprechen, anstatt über sie (in ihrer An- oder Abwesenheit) zu reden.
  • Es geht darum, die eigene Meinung offen darzulegen und sich nicht hinter Fragen zu verstecken.
  • Wer Fragen stellt, soll auch sein Motiv für die Frage nennen.
  • Es ist wichtig, selbst Rückmeldungen zu geben und selbst Rückmeldungen anzunehmen.

Man kann Konflikte nicht aufhalten, aber man kann etwas daraus machen – beispielsweise: Metakommunikation.
A. Hatzius (nach Seneca)

Arbeitshilfen

A1  Schärfen Sie als Lehrperson Ihren Blick für Warnsignale  PDF | 140 KB
A2  “Konfliktmacher” und konflikterzeugende Aussagen  PDF | 229 KB
A3  Voraussetzungen zur Konfliktlösung und Konfliktanalyse  PDF | 447 KB
A4  Feedback geben bzw. empfangen im Zusammenhang mit Konfliktsituationen  PDF | 258 KB

Planungshilfen

P1  Konflikte und schwierige Situationen – Ihre Lösungsstrategie  PDF | 247 KB
P2  Prozess einer kooperativen Konfliktregelung  PDF | 255 KB

Checklisten

C1  Gesamtgruppe – allgemeine Regeln  PDF | 251 KB
C2  Gesamtgruppe – konfliktbezogene Regeln  PDF | 250 KB
C3  Konfliktvorbeugung – Konfliktbewältigung  PDF | 297 KB
C4  Tipps für “kritische Augenblicke”  PDF | 230 KB
C5  Was tun bei (vermeintlichen) verbalen Angriffen?  PDF | 237 KB
C6  Was tun, wenn ich inhaltlich/fachlich passen muss?  PDF | 253 KB
C7  Desinteresse – was tun?  PDF | 254 KB

Zitatliste

Z  Störungen(!) – Strategien für kritische Augenblicke  PDF | 222 KB

Quellenangaben

Q  Störungen(!) – Strategien für kritische Augenblicke  PDF | 227 KB

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