Geschäftsstelle der Studienkommission für Hochschuldidaktik an Fachhochschulen in Baden-Württemberg

Motivation

Motivationaler Zustand der Studierenden 
 
Möglicher Verhaltensspielraum …
 
 
 
1. Amotiviert
Mir ist das Thema, dieses Fach gleichgültig.
 
  • Thematische Betroffenheit erzeugen
  • Die Relevanz des Themas kenntlich machen
  • Die Begeisterung für den Inhalt „transportieren“
  • Engagement zeigen
  • Mögliche Frage: „Erklären Sie mir bitte, wozu Sie hier sind…?“ 
 
 
 
2. Extrinsisch
Ich tue etwas, weil ich dafür belohnt werde oder eine Sanktion abwenden möchte.
 
Bezieht sich der Lehrende auf diese motivationale Variante, ist sein Verhaltensspielraum begrenzt:

  • Sie bestehen die Prüfung nur, wenn Sie  folgende Leistung erbringen.
  • Ich werde Ihnen die Arbeit nicht anerkennen, wenn Sie nicht korrekt zitieren.
 
 
 
3. Introjiziert
Ich tue etwas, um Spannungen und Schuldgefühle zu vermeiden.
 
Bezieht sich der Lehrende auf diese motivationale Variante, ist sein Verhaltensspielraum begrenzt:  
 
  • Wer sich nicht an der gemeinsamen Aufgabe beteiligt, behindert die Arbeitsleistung der gesamten Lerngruppe (Gewissen ansprechen)
  • Wer sich nicht (wie die anderen) dazu bereit erklärt, zu Beginn einer ausgemachten Veranstaltungsstunde des Semesters eine kurze Wiederholung der vorigen Stunde zu präsentieren, handelt unsozial
 
 
 
4. Identifiziert
Ich tue etwas, weil ich das Wissen brauche, um etwas anderes zu erreichen.
 
Bezieht sich der Lehrende auf diese motivationale Variante, kann er zu folgenden Aussagen kommen:
 
  • Wenn Sie das geschafft haben, steht Ihnen der Weg in die Praxis offen
  • Wenn Sie diese Formel lösen können, erschließen sich Ihnen weitere wichtige Anteile des Themas
  • Wenn Sie diese Theorie verstanden haben, besitzen Sie eine wichtige Grundlage für das kommende Semester.
 
 
 
5. Intrinsisch
Ich tue etwas, weil mich das Thema interessiert oder mir die Tätigkeit Spaß macht.
 
Bezieht sich der Lehrende auf diese motivationale Variante, kann er zu folgenden Aussagen kommen:
 
  • Ich lasse Ihnen Zeit, sich aktiv mit dem Inhalt zu beschäftigen.
  • Sie haben Gelegenheit, sich den Stoff selbständig zu erarbeiten.
  • Ich stehe für jede Frage zur Verfügung.
  • Haben Sie ein Verständnisproblem? – Ich helfe Ihnen gern weiter.
  • Ich passe den Schwierigkeitsgrad der Vorlesung Ihrem steigenden Verständnisniveau an.
 
 
 
6. Überdauernd
Ich tue etwas, weil mich die Sache grundlegend interessiert.

 
Es ist nicht ohne Weiteres möglich, ein überdauerndes Interesse von Studierenden negativ zu beeinträchtigen, trotzdem ist Folgendes zu beachten:
 
  • (!) Wird das Bedürfnis von Studierenden – sich in vertiefender Weise mit einem Inhalt beschäftigen zu können – durch zu viele parallele Anforderungen überlagert, so dass die Zeit für eine aktive und intensive Auseinandersetzung fehlt, führt dies zu Frustration.
  • (!) Wird das Lehrangebot nicht dem Verständnisniveau (der kognitiven Verarbeitungstiefe) der Studierenden angepasst, entsteht ein Gefühl der Unterforderung und Langeweile. 
 
 
 
 
 
 
Quellen: Deci, E.L.; Ryan, R.M. 1993; Prenzel, M. 2001 sowie Rheinberg 2004.